Gedanken über globales Fühlen

Montag, 18. Juli 2011 at 1:03 pm

alte türe

Ich bin wieder hier, zurück nach drei Monaten Marokko! Zuerst fühle ich keinerlei Andock-Schwierigkeiten, ich bin zuhause, normal.
Einziges Anklimatisierungsproblem zeigt sich beim Rausgehen!
Geht noch nicht. Langsam und schnell zu gleich vergehen die Tage, Zeit ist unwichtig, ich träume. Oder besser, es träumt mich.
Alles scheint wie immer, wird aber immer wieder durchzogen mit glänzenden Fäden von Erinnerung an eine Welt der Gerüche, Geräusche, Szenerien, die so ganz anders wie die unsere ist. weiter lesen »

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von eeva

Busfahrt in Marokko

Dienstag, 17. Mai 2011 at 11:06 am

Ein paar Kilometer vor Essaouira, Marokko, wir stehen. Oder besser, wir sitzen in einem stehenden Bus, der nun seit 20 Minuten mit laufendem Motor auf den Fahrer wartet. Bis vorhin hatte dieser den Bus stundenlang sicher durch schwieriges Gelände mit riesigen, wasssergefüllten Löchern gefahren, es hatte hineingeregnet und nach verschiedensten Dingen gerochen.

Bei jedem 10-Minuten-Halt, wie üblich mit laufenden Motoren, strömten BettlerInnen herein, die mehr oder weniger fantasievoll, aber alle sehr laut nach Dirham heischten. Da wurde rezidiert, gesungen, gepriesen, verwunschen und rhythmisch geklopft, Küchlein wurden verkauft, dessen Ingredienzen hier besser nicht näher beschrieben werden, an jedem Ort, nebelten Grill-Fleisch-Gerüche herein.

Aber nun steht der Bus am Strassenrand, rundherum nichts ausser Ginsterbüschen und Olivenbäumen kurz vor unserem Ziel, der Fahrer draussen am Diskutieren mitten in der Pampa. Der Grund unseres Stopps zeigt sich in Form eines enorm wichtig aussehenden Zeltchens (4 Stangen in die Erde gesteckt und ein löchriger Stoff darüber. Darunter steht ein Tisch und  ein Stuhl, auf dem ein ebenso wichtig aussehender Mann sitzt. Ein Gendarm, kein Polizist, wie man mich aufklärt. Rundum in herum weibeln fünf weitere Uniformierte. Es wird mit viel Papier handiert, in Bücher geguckt, Passagen daraus den Kollegen gezeigt, und Zettel ausgefüllt. Der Mann auf dem Stuhl scheint auf grund verschiedenster Dekorationen an seiner Jacke ziemlich klar der Vorgesetze aller anderen  zu sein, auch darf im Gegensatz zum Rest sitzen und Wasser trinken.

Der Unterschied zwischen Polizisten und Gendarmen soll erheblich sein, Gendarmen sind beim Verteidigungsministerium angestellt, auch wenn sie in Marokko gar kein Verteidigungsministerium mehr haben,  Polisten bloss bei der Stadt, für mich persönlich bleibt der Unterschied aufjedenfall schleierhaft.

Nach weiteren 10 Minuten kommt der Fahrer missmutig wieder, alle im Bus wollen wissen, was los war, ich muss warten bis die Übersetzung folgt. Der Grund war, dass der Bus 5 Minuten Verspätung hatte, als er bei besagtem Zelt mit Tisch hochoffiziell vorbeifuhr.

Das kostete den Fahrer Busse und etliche zu unterschreibende Formulare, ansonsten liess man ihn und seinen Bus samt der Passagiere genüsslich warten, während ebenso genüsslich andere Strassenbenützer angehalten und gleichem Prozedere  mit anderen Gründen, versteht sich, ausgesetzt wurden.

Schliesslich, nach dem der Busfahrer den Gendarmen verkündet hatte, dass er Menschen und keine Tomaten transportiere, sind wir dann mit 35 Minuten (!) Verspätung weitergefahren.

Wirklich absolut überraschend und bewundernswert ist die gelassene Ruhe und Geduld, die  marokkanische Menschen bei solcherlei Nervereien aufbringen.  Man wartet, lächelt und hält aus. Es wird ein wenig diskutiert und spekuliert, niemand flippt aus, oder hat dringend einen Termin. Selbst die Kleinkinder und Säuglinge und davon gibts einige im Bus, bleiben merkwürdig zufrieden und friedlich.

Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die meisten Kinder noch hinten an der Mutter hängen. Nicht in ultratopschicken, eigens fürs Baby gekaufte, handgewebte Tragetuch aus dem Baby-Wunderland, für welches man dann aufjedenfall einen Kurs machen muss, „wie trage ich mein Baby ergotherapeutisch richtig?“, sondern angebunden mit dem was grade rumlag, als man von zu Hause wegging. Um die Kids wird alles in allem weniger Theater gemacht, und so machen auch die Kleinen weniger Theater. Easy.

Was die Gendarmen angeht, so verdienen die meisten nicht genug, um eine ganze Familie zu ernähren und so schaut man halt, dass man irgendwie zu noch mehr Kohle kommt, so wie in der vorangegangenen Episode. Logik spielt da keine Rolle, das wissen alle.  Also durchhalten und sich irgendwie unterhalten bis es weitergeht.

Eine Moral der Geschichte fällig? Bei uns müssen sogar die Tomaten weniger lange warten. Sollte doch reichen, oder?

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von eeva

Dazwischen

Donnerstag, 30. Dezember 2010 at 1:50 am

Dazwischen oder Zwischen ist ein seltsames Wort!
Es dient der Beschreibung, das Da mit dem Dort, ein Objekt mit dem Anderen, oder eine Person mit der anderen, zu verbinden.
Inzwischen. Während ich dies oder das tue, passiert, etwas anderes, gewissermassen zwischen meinem eigenen Tun, meiner Realität (res, lat.=Sache, Ding).
Im Sprachgebrauch kennen wir dieses Wort zum Beispiel von „Zwischen Stühlen und Bänken sein“, negativ gemeint im Sinne von weder da noch dort dazugehörig zu sein. Oder „Zwischen Gut und Böse“, im Sinne von hin und hergerissen sein, zwischen Moral und Gefühl, (wobei ich hier einwerfen möchte, dass Nietsche das Böse zu einem Konstrukt christlicher Sklavenmoral erklärt hat, das die ursprüngliche Unterscheidung von gut und schlecht in gut und böse umgekehrt habe.)
In der „zwischenmenschlichen“ Beziehung wird sogar verdoppelt, weil das Wort „Beziehung“ auch das, was „Zwischen-den-Dingen-ist“ andeutet.
Wenn ich zwischen Peter und Maria sitze, erzeuge ich ein weiteres Dazwischen, eines nach lins und eines nach rechts.
Zwischen ist aber als solches nur eine Ahnung vom grossen Ganzen, es ist nicht erfassbar, wohl messbar, aber nur abstrakt, somit höchstens erfühlbar und in Bildern beschreibbar.
Die milde aber häufige Konzentration im Alltag auf dieses Wort könnte uns eine Fülle von lebensrettenden Erkenntnissen vermitteln in Hinblick auf den immer grösseren Materialismus und die daraus folgenden Abfallberge und die Verschmutzung und Zerstörung unseres eigenen Lebensraumes durch die zu starke Bezogenheit auf ausschliesslich den separatisierten Objekten, Menschen, Ereignissen.
Also: haltet euch doch mal auf in Zwischenräumen und auf Schwellen, probiert mal aus, zwischen Stühle und Bänke zu sitzen, legt euen Augenmerk in euren Beziehungen auf das, was zwischen euch passiert. Nur fühlen, erahnen. Schaut, was inzwischen passiert, oder passiert ist in eurem Umfeld. Zwischen ist nämlich hochinteressant!
In dem Sinne wünsche ich allen, die da vorbeikommen ein neues, spannendes, interessantes und verbindendes Jahr!
Hier als Geschenklein noch ein Gedichtlein:

Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.
Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da -
und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.
Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum,
Ein Anblick gräßlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.
Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri- od- Ameriko.

(Christian Morgenstern)

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von eeva

Felderforschung

Samstag, 11. Dezember 2010 at 5:49 pm

Neulich habe ich das jüngste Werk von Hans-Peter Dürr gelesen. Er ist Atom- und somit Quantenphysiker, das eine löst das andere ab. Zumal er deutlich darauf hinweist, das schon das Wort “Atom” als solches irgendwie nicht stimmt, da sich der Kern auf kleinstem Raum, keineswegs als materiell bezeichnen lässt.

Neue Wörter müssen für neue Erkenntnisse heran, so sollte zum Beispiel, meint er, das Wort Atom ersetzt werden, durch das Wort Passierchen oder Wirk, weil es sich efektiv um ein Geschehen handelt. Um eine Überlagerung von verschiedensten Wellen, eine Verdichtung, die sich für unser kurzes Dasein und der entsprechend kleinen Weltsicht als konstant, stabil also materiell darstellt. Soweit, so hoffe ich, so begriffen.

Ich muss rechtfertigenderweise einwenden, dass mich die theoretische Physik nicht mal nur NICHT interessiert hat, sie war mir zuwider. Das Herumjonglieren mit Formeln war von jeher nicht so mein Ding. Trockener Unterricht und langweilige, langwierige Erklärungen gaben der Hoffnung auf doch noch Warmwerden dafür den Rest.

Umso mehr erfreuen mich die weitaus spannenderen Ausführungen der Quantenphysiker, die jelänger desto mehr die alten Spiritualitäten bestätigen.

In seinem Buch versucht H.P.Dürr klar zu machen, dass die Prägung und Erziehung des Geistes zur totalen Engsichtigkeit für die ökologischen und sozialen Notwendigkeiten, ein entsprechendes Umgebungsbild, eine Realität ergibt.

Das heisst, wenn wir eine sehr materielle Vorstellung der Dinge haben, also ihre Griffbarkeit, ihre Begrifflichkeit im Lichtwinkel haben, auch unsere äussere Umgebung entsprechend materiell ausgerichtet wird und uns dann natürlich erscheint, so wie sie ist.

Würden wir, mal rein theoretisch, unser inneres Weltbild vom losgelöst einzelnen Ding, (res, lat. Ding, Sache, daraus auch Rea-lität!) , weg zu mehr Achtung der Zusammenhänge wenden, also nicht das einzelne Ding, sondern das Ding in seiner Beziehung zu anderen Dingen betrachten, würde unsere äussere Umwelt sich radikal verändern.

Schon längst haben die Entdeckungen aus der Quantenphysik unseren Alltag in vielen Bereichen übernommen..

Mobiltelefone, Computer, Mikrochips, etc. sind absolut normale Gebrauchsgegenstände geworden, die gar nicht mehr wegzudenken sind. Aus der ehemaligen Technik wurde moderne Technologie.

Regierungen und Gesellschaften funktionieren aber immer noch nach den alten physikalischen Gesetzmässigkeitsvorstellungen, das heisst wir denken und fühlen noch wie vor hunderte von Jahren. Deutlich weißt Dürr darauf hin, dass durch diese Kluft riesige ökologische, gesellschaftliche und soziale Probleme entstanden sind, die wir nicht mehr mit den alten, gängigen Methoden bewältigen können.

Ein Öffnen auf ökologischer und gesellschaftpolitischer Ebene für das neue, und doch so alte Wissen ist von Nöten! Quante heisst Feld.

Da muss man gar nicht so haargenau über die Quantenphysik im theoretischen Sinne Bescheid wissen, sie lässt sich für uns eher erfühlen und durch Kunst, Literatur und Philosophie erkunden.

Lasst uns unsere Felder wieder im Einklang mit der Erde einstimmen!

Wir brauchen dafür Humor, nicht Zynismus. Hoffnung, nicht schulterzuckender Fatalismus.

Menschliche Kommunikation, nicht hetzerisch-seperatisierende Hassparolen.

Lustvolle Neugier, nicht resignierter Egoismus.

Der einzige, ja wirklich der einzige Grund der uns hindert, endlich richtige Menschen mit all den gottgebenen und so lange Zeit ungenutzten Qualitäten zu werden, ist die Angst.

Angst entsteht aus der Entwurzelung von der natürlichen Umwelt und dem Verlust des Glaubens an sich selbst, oder besser, an seine Seele.

Meine Tochter hat dazu nur gemeint: Ich will auch endlich mal fliegen!

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von eeva

“Schäm taman oder Hasab  Hafak?” Marokko, live!

Donnerstag, 21. Oktober 2010 at 10:57 pm

Dieser Reisebericht enstand aus dem Verarbeitungsprozess meines Sohnes Janne Wetzel während einer gemeinsamen Woche in Marokko! Viel Vergnügen!

Schäm taman oder Hasab  Hafak?

Nach nun dem 3. Tag in Marokko und der Überwindung von etwa 126 (!) Kulturschocks, befand ich mich in einem, nennen wir es maroden , klapprigen Taxi (einem uralten Mercedes) und dies zu sechst. Nicht ganz erwartet, regnete es seit zwei Tagen und dies auch im Inneren des Taxis! Sehr unterhaltsam war der Scheibenwischer  welcher wichtig aussehend vor der Scheibe wedelte, diese aber kaum berührte und folgerichtig dem Fahrer eigentlich nebst dem Regen eine weitere Sichtbehinderung an der Scheibe beschährte. Der werte Herr fuhr mit 100 über die Ruckelpiste und es stank nach Benzin und Gummi. weiter lesen »

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von eeva
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