„Schäm taman oder Hasab  Hafak?“ Marokko, live!

Dieser Reisebericht enstand aus dem Verarbeitungsprozess meines Sohnes Janne Wetzel während einer gemeinsamen Woche in Marokko! Viel Vergnügen!

Schäm taman oder Hasab  Hafak?

Nach nun dem 3. Tag in Marokko und der Überwindung von etwa 126 (!) Kulturschocks, befand ich mich in einem, nennen wir es maroden , klapprigen Taxi (einem uralten Mercedes) und dies zu sechst. Nicht ganz erwartet, regnete es seit zwei Tagen und dies auch im Inneren des Taxis! Sehr unterhaltsam war der Scheibenwischer  welcher wichtig aussehend vor der Scheibe wedelte, diese aber kaum berührte und folgerichtig dem Fahrer eigentlich nebst dem Regen eine weitere Sichtbehinderung an der Scheibe beschährte. Der werte Herr fuhr mit 100 über die Ruckelpiste und es stank nach Benzin und Gummi.

Gestern war ich mit Ilyass nachts unterwegs, um eine Djallaba zu kaufen, mit welchem man aussieht wie ein Yedi Ritter! In Marokko gibt es haufenweise Yedis, so wollte auch ich „the good Side of the Force“ joinen! Das Geld wechselte fast ungesehen den Besitzer und genauso schnell wurde der Preis von 800 auf 200 gedrückt. Glaub nie einem Marokkaner wenn er dir übersetzt, was gerade gesprochen/verhandelt wurde.

Am ersten Abend fuhren wir mit komfortablen Auto nach Youssoufia…. und wurden nach 1 Stunde von heftigem Nebel umhüllt, dies schien normal und der Fahrer gab trotz extremer Nullsicht weiter Gas. Später erfuhr ich, dass dies brennender Müll war, roch auch so, der Nebel. Unser Fahrer hörte gemütliche Gebete und sprach…. Nichts. Für 500 Diram wartet in Marokko ein Taxifahrer gerne 2 Stunden am Flughafen auf dich, fährt dich danach 500 Kilometer übers Land und organisiert sich und den Passagieren auch noch Wasser, und dies  in einer Gegend in welcher ich nur mit Buschmesser und Schutztruppen unterwegs sein würde. Sollte man in der Schweiz einführen! Nicht die Gebiete und die Schutztruppen,  nur die Taxileistungen und vorallem den Preis.

Angekommen bei Iliass legte ich mich mit heftigen Kopfschmerzen  tot ins Bett und war froh, dass das Haus, bis auf die Dusche, welche ein Eimer mit Schöpfer in einer Badewanne war, extrem gemütlich ist. Ich beschloss nicht zu duschen.

Am Morgen Punkt 05.00 Uhr reguläre Ortszeit wurde ich aus dem Bett gebrüllt, obwohl ich vorher gewarnt wurde, knallte ich mit meinem Kopf gegen das halb offene Fenster und sank benommen wieder aufs Kissen zurück. Ich lauschte dem Aufruf zum Gebet, welcher sich über das ganze Land zog und war fasziniert. Ich versuchte wieder einzuschlafen und träumte lebhaft davon wieder nachhause zu fliegen. Zum Frühstück gabs Brot…. Mit Öl. (teuerstes Argan-Oel! Anmerk.der Red.)

Ich versuchte mein Training auch in Afrika fortzuführen und ging mit Ahmet und Mohsein, als meine Bodyguards durch die Stadt joggen, wir wurden verständnislos beäugt, ich äugte verständnislos zurück. Immer lächelnd, das erschien mir wichtig. Als wir an einem etwas ärmlicheren Teil vorbei rannten, gingen Fenster auf und Leute blieben stehen, um dem exotischen Vogel mit iPhone und Nike plus zu bestaunen, „Sallaam“ rief ich, „Salam“ rief es zurück!

Ich besuchte mit den Beiden so dann eine gut versteckte Kung Fu-Schule und durfte mir ansehen was ich für eine Schweizer Wurst war, die Jungs waren wahre Kampfmaschinen. Sallto und Kick? Kein Problem!

„Maintenant toi!“ „Ähm, moi? Oh,non, moi pas, je travailles en Bureau…“

Die Jungs lachten vergnügt über mich weiße Wurst und ich lachte mit. Ich wurde kurz in ein par Techniken eingeführt und als „pas mal“ betitelt. Besser als Wurst, fand ich und war stolz. Als der Sensei,  die Schule betrat kam Hektik auf, und das vergnügte Rumblödeln stoppte unverzüglich. Der Sensei war etwa einen Kopf kleiner wie ich aber trainiert wie ein chinesischer Wasserbüffel und strahlte pures „ichbinBoss“ aus. Er freute sich jedoch sichtbar über meine Anwesenheit und als er erfuhr, dass ich Schweizer war, zeigte er mir ein Foto auf welchem er mit Django, einem wohl sehr bekannten Schweizer Kung Fu-Meister zu sehen war. Er sagte mir als Verabschiedung „bienvenue toujours“ ich „sallam-te“ ihn!

Später am Tag saßen wir in einem Kaffee und tranken Limo, als uns ein kleiner Junge fragte, ob wir ihn adoptieren wollen, wir lehnten dankend ab, schlurften unsere Limo und sahen zu wie ein ultra knuffiger Restaurantbesitzer ihn weg, „Jalla-te“.

Nach dem nächtlichen Djallabah kaufen (Obi Wan ke Janne) ließen wir uns räuchern, respektive wir mit unserem Fleisch und tranken Tee, geilen Tee, verdammt geilen Tee! Ich räucherte mich mit, und rauchte neben dem Grill Kent.

Ilyass Familie habe ich ins Herz geschlossen, eine wunderbar lebendige Familie, die mich gerne zwischen durch segnete. Das Haus war ulkig gebaut, aber echt gemütlich, gross und liebevoll mit vielen Pflanzen verziert.

Ilyass züchtet Tauben, mit welchen ich mich gelegentlich übers Wetter unterhielt. Diese zu besuchen ist halsbrecherisch, da die Leiter nur bis in die Hälfte reicht.

Die Bescheidenheit der Menschen ist auffallend, und beindruckend. Ich fühlte mich in Yousouffia sehr wohl. Ich wurde zwar generell mit einer Mischung aus Misstrauen und Freude betrachtet, was eine lustige Mischung ergibt und vorallem weibliche Einwohner hätten mich wohl gerne zwischen goldenen Teekannen auf dem Regal stehen gehabt!

Da ich viele „Sallams „ zu vergeben hatte, merkte ich schnell, das die Menschen hier absolut umgängliche Menschen sind, nur sehr zurückhaltend Neuem gegenüber, also in diesem Fall mir. Man begegnete mir mit respektvoll kühler Distanz, aber nach einem „Sallam alleikuum u rahmatu ullai u barakadash“ (jaaa falsch geschrieben..) brach das Eis bisher in den meisten Fällen.

Auch stellte ich fest, dass vorallem Männer auf der Strasse rumgammelten, Frauen waren nicht rar, aber man sah sie weniger.

Marokkaner mögen Schilder. 6 Geschwindigkeitsreduzierungen und -Erhöhungen hintereinander stehend, sind nicht unüblich.

Mein Lieblingsschild bisher sah ich am Rande einer steinigen und enorm holpriger Sandstrasse : “Limite „160“ (!)

Mittlerweile war mir vom Benzin etwas schwummrig und kotzübel, ich dachte an mein Badezimmer und wartete auf morgen.

In Safi wurden wir aus dem Taxi komplimentiert und fanden uns auf einem dreckigen großen Taxi-Platz wieder. Wir hielten uns an Iliass und ich kam mir mit meinem Rollkoffer ziemlich bescheuert oder tourimässig vor. Auf dem Weg zur Bus-Station wurden wir diverse Male gefragt, ob wir irgendwo hingefahren werden möchten, ich ignorierte fleißig und bezahlte die Busfahrt.

Wir gaben unser Gepäck in die Obhut eines finster dreinblickenden Typen, der sich mit noch finsterer aussehenden Typen unterhielt. Befreit vom Gepäck erkundigten wir die Stadt, besser gesagt, liefen wir einfach unserem Guide nach. Immer wieder staunend über die vielen Menschen und Tätigkeiten und vorallem die vielen Shops, die alle das Gleiche verkaufen (Gewänder, Schuhe, Handys, Waschmittel und davor wird Fisch gegrillt oder Fleisch… oder Autoreifen, kein scheiß) jetzt waren wir tief im „Inside of notouristwillcomehere“ gelandet, Links verkaufte man Handys Waschmittel und Fisch, rechts wurde gegrillt und geschimpft, von irgendwo drang Musik durch und eine Katze versuchte mit traurigen Blick bei einem Mann, der auch einen traurigen Blick hatte, etwas Fisch zu erbetteln. Oder war’s umgekehrt? Ein Hund rannte vorbei und zwei Engländer, dann… Momentmal 2 engl…. Schon weg. Irgendjemand zog mich am Ärmel und versuchte mir Oliven und Fisch anzudrehen ,ich winkte ab und erntete den traurigen Blick der Katze von vorhin.Ich versicherte ihm in lebhafter Zeichensprache, dass sein Fisch und seine Oliven bestimmt super sind, ich nur schlicht kein Bock drauf hatte und steckte ihm heimlich 5 Diram zu.

Ilyass mag sowas nämlich nicht, und beschützte bisher perfekt vor Abzockern. Ich schwitze öfters erheblich, behielt meine Jacke jedoch an, weil ich annahm, ich wirke damit breiter und autoritärer. Half trotzdem nicht, ich würde im rosafarbenen Tütü auch nicht weniger auffallen.

Mir fällt auf, dass viele junge Marrokanerinnen fiese Ausschläge im Gesicht haben, liegt wohl an der genauso fiesen Schminke!“, findet meine Mutter.

Nachdem wir in Safi vor unglaublicher Kulisse einen Saft an den Klippen genießen konnten, uns durch den Markt zurück arbeiteten, unser Gepäck abholten (mittlerweile waren es 3 finster dreinblickende Herren und eine finster dreinblickende Dame mit ebenso finster dreinblickender Katze und ein paar sowieso finster aussehenden Kakerlaken), warteten wir auf den Bus. Hier gings ab wie auf dem Rummel, verschiedene, meist ältere Herren schrien Ortschaften durch die wartende Menge, man plauderte, stritt, kaufte, verkaufte, chillte, rauchte, rauchte nicht, tratscht oder blickte finster zu uns rüber. Nachdem meine Stimmung schon leicht angekratzt war und ich kurz davor war, einen Helikopter zu chartern, hörte man ein lautes:. Jallajalla!  Bewegung kam in einen Teil der Menge, unser Bus kam! Aus und einsteigen passiert hier normal gleichzeitig, man quetscht sich hier solange bis man beim Sitz ist, obwohl dies alle so handhaben, wird man mit absolutem Unverständnis und Kopfschütteln betrachtet. Aber  sonst wäre es ja langweilig und unkompliziert!  Im Bus  miefte es schrecklich nach Schweiß und ich durfte gar nicht groß pikiert sein da ich selbst wie ein Iltis roch (wie erwähnt verzichtete ich aufs Duschen, bisher..) Im Bus war es Todes heiß und extrem stickig, ich fummelte an den Knöpfen rum, Shit! Nixolos lüftis. Wir hatten anscheinend noch nicht für unser Gepäck bezahlt, weswegen Illias wieder ausstieg, um zu verhandeln. Mulmig erwartete ich, mein Gepäck auf der Straße wieder zu finden,  allerdings lief alles reibungslos, bis auf „Schwitz, Stink und Co.“ Wir fuhren los und TATTAAAA Lüftung funktionierte, mir fiel der Mount Everest vom Herzen, ich muss an dieser Stelle jetzt erwähnen, dass ich mich für mein Verhalten schämte, ich  musste feststellen, dass ich ein total verzogener Europäer bin. Aber zu meiner Verteidigung muss man in Marokko doch so das Eine oder Andere oder beides einstecken können. Die Kultur, die Menschen, Tiere, Häuser, Lebensart sind echt der Hammer! Ich bin nur heillos überfordert zwischen wow und eeuw. Während der Busfahrt gab es noch einen Disput, welchen ich auf Anfrage gerne näher erläutere. Ich versuchte mich auf mein Buch zu konzentrieren, was mir schwer fiel, ich spielte mit dem Gedanken als politisch Verfolgter zu flüchten. Der Bus rollte und einige Damen übersprühten den Mief mit billigem Parfüm, schlagartig wünschte ich mir den Mief zurück. Ich dachte an einen Latte macchiato an meine PS3 und an Hühner die nicht kopfüber auf der Straße hingen. Aufregung kam auf, anscheinend trafen wir in Essaouira ein. Hier ging alles überraschend schnell, bis Eeva entschied den Weg in die Wohnung zu LAUFEN. Irgendwann gab ich es auf meinen Rollkoffer hinterher zuziehen, denn obwohl man hier Touristen öfters sieht, waren wir doch sehr amüsant für alle anderen, ich grinste innerlich. Da sass doch tastächlich ein kleiner Mann in einem winzigen Handkarren und lacht über mich beim Abschwitzen. Hier darf ich einschieben, dass ich mir meinen, mich ständig begleitenden Indiana Jones-Hut nun redlich verdient hatte, aus o.g Gründen. Angekommen im… Apartement, stellte ich erschrocken fest, dass die Dusche, gleichzeitig die Toilette war. Meine noch vom Bus angeschlagene Stimmung implodierte in einem Gemisch aus purem Fluchtinstinkt und „Allesistunfair“-Denken. ich kriegte die Laune auch noch Stunden später nicht ganz zurück in den Optimismus. Nach einem kurzen Imbiss zuhause, den Iliass organisiert hatte, (ich lieeebe Marokko Brot, es schmeckt besser wie jedes zuvor gegessene Brot überhaupt,) ging es in die Stadt. Es war schon dunkel geworden, jedoch geht es dann in Marokko erst los, Hitze n stuff. Nun folgte das Realisieren, dass in Zusammenhang mit Touristen 60-90% des Marocain flairs absolut verloren gehen. Ich fühlte mich langsam von mir selbst verarscht, aber ich wünschte mich wieder zurück nach Yousouffia, wo das Glitzern in den Augen keine Geldgier war. Hier wird Cash gemacht. Sogar der Muezzin war nicht so cool, und das heißt was, ich mag das Rufen vom Turm wirklich sehr! Aber die dicken, doofen Touris mögen’s „so original“, wie zwei Amis vermeldeten. Gerne hätte ich auch was vermeldet, nämlich dass sie keine Ahnung hatten und kam mir unglaublich wichtig vor mit meinen bisschen Insider-Experiences, aber ich hatte bisher echt was gesehen, und es war krass aber auch echt geil, man muss sich nur durchbeissen. ich hasse durchbeissen und mag’s wens nur geil ist, aber das ist Konsumdenken welches ich bis Ende Woche unbedingt in den Griff kriegen wollte, sonst würde ich gemütlich weiterleiden. Somit überspringe ich auch das Schabenthema und die Tatsache wieder nicht zu duschen. Vermutlich würde ich wieder vom Heimfliegen träumen und vom Duschen.

Ich hatte in der esten Nacht in Essaouira beschissen geschlafen, geträumt und war beschissen aufgewacht. Nach Rumhängen und alles Hassen, überzeugte ich mich doch zu duschen. Kalt. Jargh!! Danach unternahmen wir einen weiten Spaziergang über den Strand der unglaublich lang und gross ist und sahen Unmengen von Kamelen und Pferde, auf welchen wir am besten gleichzeitig reiten soltlen. Wir ignorierten und Iliass wimmelte ab. Nun marschierten wir in zunehmender Hitze Richtung ein kleines Dorf auf einer Anhöhe, in welchem Jimmy Hendrix gelebt hat. Wenn Jimi Marokko übersteht, werde ich es wohl auch schaffen. Nachdem wir wieder zurück im Kaff waren, pflanzte ich mich in ein Café, welches ich als mein neues Wochendomizil auserkoren hatte und genoss kühle Drinks während ich Douglas Adams las und rauchte wie ein Bergwerk. Pizzas in Marokko für Touristen sind vorallem eines, verdammt noch mal fettig! Wenn ich aber über die vorbeiziehenden Touristen blickte, war mir alles klar… Verdammt nochmal fettig. Zu meinem Vergnügen fanden uns die Marokkaner auch ziemlich bescheuert und fluchten gerne auf arabisch hintereinem her, während Sie sich köstlich amüsieren. Ich verstehe auch wenn so einige der Einwohner Touristen für absolute Assis halten, vorallem wenn man sieht wie sie alles kriegen und man selber knapp genug zum Überleben oder gar nichts hat. Die andere Seite der Münze. Heute wurde ich von einem kleinen alten Mann der nur noch einen Zahn hatte gefragt, ob ich denn nicht Haschisch oder Marihuana wolle, nein wolle ich nicht, antwortete ich ihm höflich und klopfte ihm auf die dünne Schulter, was er offenbar, trotz meiner Ablehnung seinem, in seinen Worten “ Perfect offre“ , gegenüber sehr schätzte und mich daraufhin segnete. Als ich am morgen das Haus verließ entdeckte mich ein kleiner junge und begrüßte mich so freundlich, dass ich den erfragten 1 Diram gerne rausrückte, ich gab 5, er fragte sofort nach 10, ich grinste, klopfte ihm auf die Schulter und schickte ihn mit Jalla, jalla und einem Zwinkern weg. Er grinste zurück, bedankte sich und rannte leichtfüßig davon. Als mich eine Katze nun auch noch bettelnd anstarrte, gab ich auch ihr 5 Diram und sie bedankte sich höflich und fuhr auf nem Dreirad davon. Das mit der Katze ist natürlich gelogen, würde mich aber in Marokko nicht überraschen, oder zumindest nicht mehr. Nach 3 Stunden im neuen Stranddomizil hatte ich natürlich den ersten Sonnenbrand, da half auch die Creme Schutzfaktor 5000 nichts mehr. Eeva meinte ich solle Heil-Öl einreiben, ich meinte sie soll sich selber mit Öl einreiben. Das fand sie uncharmant. Ich auch.

Jetzt bin ich ein amerikanisches Streifenhörnchen, Arme braun, Kopf braun, Bauch weiß. Eine nervige Stimme im Kopf meint, ich solle unbedingt noch Rennen gehen und ich ignoriere die Stimme, wie einen marokkanischen Marktschreier, ziehe meinen Djallaba an, und gehe rauchen. Nach einer weiteren beschissenen Nacht mit beschissenen Träumen wurde ich dieses mal sanft geweckt, der Muezzin von Essaouira ist der Beste bis dato. Um 08.15 h siegte die innere Stimme und ich machte mich „Ready for Running!“ Nike plus on, headphones plugged in, Let’s Kick your Body! Die Strecke war mörderisch heiß, bereits nach 1km setzten die ersten Dehydrierungserscheinungen ein, ich trieb mich zum weiter Rennen, 2km, ich rannte vorbei an Müll, Kamelen und der Polizei, diese interessierte sich jedoch nicht für mich, ich mich auch nicht für sie, ich war damit beschäftigt nicht zu zerfliessen. 3km, dann Beginn der Sandstrecke. Sand musste ich feststellen killt einen, trotz der Härte des Sandes, verliert man bei jedem Schritt mehrere Zentimeter. Meine Beinmuskulatur begann Notfallsignale abzusetzen. 4km sprach die Stimme in mein Ohr, normalerweise hört mein Training in dem Bereich auf. Ich musste Unmengen an Wasser verlieren, mein ganzer Körper war klatschnass und mir war katastrophal schwindelig. 5km, Gedanken inaktiv, Ziel wieder vor Augen, Niagarafälle im Gesicht, 6km, Einsetzen von Verzweiflungsrufen im Gehirn zum stoppen, gleich geschafft, ich sah unser Haus auftauchen. Buff 6,78 km in 49 Minuten. Ich ignorierte den Vermerk 568 km, mit der Sandstrecke müssten es um die 1000 gewesen sein, nicht zu vergessen die 25 Liter Wasser. Nach Dusche und Rehydration sass ich wieder in mein Domizil am Strand und beschloss an diesem Tag da nicht mehr aufstehen. Ich ärgerte mich tödlich dass der Penner keine Zigaretten mehr hatte, war vielleicht aber auch besser so. Was nun folgte war öde. Wir waren am Strand, liefen viel ich rannte viel, bis zu 8 km, und gammelten im Stranddomizil rum. Da ich noch mein Schatz beschenken wollte, gingen wir heute mit Miloud, und seiner Verlobten in die Medina, Miloud, kennt hier alles und jeden, darum bezahlte man knapp die Hälfte. Da die beiden keine Zeit hatten, sprinteten wir über den Markt als hätten wir ernsthafte Probleme mit der Polizei und müssten daher untertauchen. Ich nahm mir im Shop jedoch jede Menge Zeit und fand auch was. Versuche mal  mit 2 Marokkanern und einer Frau inklusive deiner Mutter, etwas optisch heißes für deine Freundin zu finden, während die eben Aufgezählten über den Preis verhandeln und man zusätzlich vom Shop Eigenstümer inklusive seiner 4 Töchter angestarrt wird. Ich fand.

Am Strand kurz abgezockt aber glücklich, sass ich wieder im Domizil. Der Indiana Jones Hut hatte sich mittlerweile mit meinem Kopf perfekt angefreundet, abends gingen die beiden gerne auf die Piste und besoffen sich. Somit blieb er mir während des Pferderitts, was nicht überraschend war, und der Quad-Fahrt, was überraschend war, treu auf dem Kopf. Mein Pferd, Sidal, war ne lahme Nuss und blieb trotz meines professionellen in die Lenden Kicken gelegentlich stehen, um auszuruhen. Ich glaube, wenn man mir in die Lenden kickt, würde ich auch stehen bleiben und ausruhen. Die Steuerung des Geräts jedoch war höchst sensibel, bereits leichtes Ziehen am Zügel verursacht links gezogen eine Links-Kurve und rechts gezogen eine Rechts-Kurve, logisch irgendwie. Ich „Jalla“te das Pferd gelegentlich und es zeigte sich nicht im Geringsten beeindruckt. Typisches marokkanisches Pferd halt (mit typischem Europäer als Reiter,halt. Anmerk.der Red.). Auf dem Rückritt war Sidal wesentlich motivierter und als der Besitzer, Said, sich mit dem Stock näherte, galoppierte das Mistpferd plötzlich los, ich zügelte und „brrr“te, und mir wiederfuhr, wieso oft, marrokanische Gelassenheit. Als ich die 1 Ps starke Maschine zum Stillstand brachte, stieg ich genau so professionell ab, wie ich vorhin aufstieg, dies keinesfalls ironisch gemeint, ich erhielt für auf wie Abstieg sehr anerkennende Blicke, auch für meinen Sitz im Sattel wurde ich ehrlich gelobt. Ich habe auch genug Clint Eastwood gesehen um dies korrekt in die Tat umzusetzen. Da ich zuwenig Zeit hatte mich mit dem Pferd anzufreunden, verzichtete ich auf Kabriolen, genausowenig hatte ich Lust vom Pferd aus im Sand zu landen, oder ein marokkanisches Spital von innen zu sehen.

„Eine Spritze 500 Diram!“

„500 Diram??? Ich geb dir 300 und du machst die lebensrettende Wirbelsäulen-Operation.“

„300? Für Beides? Jallah, 800 für Spritze, Operation und ein Sack Couscous!“

„Oke schukran!“

Das Quad zeigte sich bezüglich Wendigkeit, Geschwindigkeitsregulierung und gelegentlichen Pausen wesentlich verhandlungsbereiter. Ich raste wie ein total bekloppter Idiot den Strand auf und ab und verscheuchte  Mövenschwärme, Esel und Marokkaner. Dieses Ding hatte tierisch Power unter der Haube und ließ sich auch mühelos durch unebenes Gelände navigieren. Hoher Spass und Beklopptheitsfaktor  garantiert! Auf dem Rückweg verarschte ich noch den Kameltreiber und versicherte ihm morgen wieder zu kommen um auf Cappuccino zu reiten, leider reisten wir dann morgen um halb 5 in der Frühe ab. Selbstverstàndlich lernte ich noch einen Haufen junger Marokkaner kennen, die mich zum Party-Machen am Strand einluden. Ich ging nicht, bedankte mich aber herzlich für die Einladung und rüstete die Jungs mit Zigarretten aus. Armer Sahib, hatte vergeblich auf mich gewartet… Leicht schlechtes Gewissen fühlend, ging ich rauchen. Um in Marrakesh morgen auch ordentlich abgezockt zu werden, rüstete ich mich an einem Bankomat ein hoffentlich letzes Mal mit MAD aus. Der Bankomat gab mir sogar die Auswahl in deutscher Sprache, die ich natürlich wählte. Freundlich wurde ich gebeten: Bitte momenten Sie sich einen Geduld!“  Übersetzer? Wir haben ordentlich gelacht!

Der letzte Morgen, hjjargh. 04.45 bimmeldingel! Ich hatte nonstop den Traum das Flugzeug zu verpassen. Ich erwachte, nennen wir es zerknittert, ich habe satte 2 Stunden gepennt, ging ein letztes Mal in die miese Dusche und rauchte die letzte Marlboro auf der Dachterrasse. Begleitet von wehmütigen Gebeten des 05.00h Aufrufs des Muezzin machten wir uns durch die ausgestorbene Stadt auf den Weg zum Busbahnhof! Da sass ich dann eingeklemmt zwischen einem komisch muffelnden Mann und Leuten die nonstop ihre verdammten Sitze vor und zurückschieben mussten. Ich hasse Kinder in Bussen. Hässliche Gedanken tauchten auf, wie: „Ich könnte ja aus Spass seinen Vater mit Eiern bewerfen, leider habe ich keine Werfbaren dabei. …Vielleicht kann ich beim nächsten Stopp ja welche organisieren…“  Auf der nächsten Reise, war mir klar, würde ich auf jeden Fall mehr zur Verteidigung der Privatsphäre einpacken.

Mit starken Kopfschmerzen und ohne Zigaretten kam ich in Marakesh an, wo uns ein kleiner Taxi Fahrer gemütlich abzocken wollte, wir zahlten jedoch wie am Anfang vereinbart und ließen ihn fluchend davon fahren. Nach kurzem Break ging’s auf den berühmten Platz in Marakesh, dessen Name ich in der gleichen Sekunde vergessen habe, in der man ihn mir gesagt hat. Da ich reisebedingt wieder fiese Kopfschmerzen hatte, war der Platz der blanke Horror, die Menschen darauf versuchten sich mit den typisch arabischen Tröten gegenseitig zu überkreischen. Ich stellte mit vor die jeweiligen Tröten in die Hälse der jeweiligen Spieler zu stecken, allerdings wollte ich mich keinesfalls mit den bedrohlich vor den Tröten tänzelnden Kobras anlegen. Der Souk, ist der Hammer! Tief durch das Innere der Stadt schlängelt sich ein Markt der sich sehen lassen kann! Da das Ganze so halbwegs überdacht ist kommt eine zugleich kühle wie mysteriöse Stimmung auf. Während man sich durch die dicht aneinander gereihten Ständen und Läden gafft und staubt, pfeiffen versteckt im Nirgendwo irgendwelche Singvögel und man wird gelegentlich von durch die Menge röhrenden Mofas angerempelt, meist besetzt mit 3-4 Personen 4 Katzen und einem Esel. Nachdem wir auch diesen Ausflug erfolgreich beendeten ging es zurück an den Flughafen Menara-Marakesh. Rauchend stellte ich mich neben einen im Boden eingelassenen Aschenbecher und wurde von zwei Polizisten darauf hingewiesen, dass dies kein Raucherplatz sei und ich mich doch Bitte einen Meter weiter zu diesem im Boden eingelassenen Aschenbecher „jalla“en solle. Dank speedy boarding schnell abgecheckt saßen wir samt Whskey „Black Label“ und einer Gruppe total aufgestellten jungen Frauen, welche gerade durch die Wüste marschiert waren und Fotos gemacht hatten und per I-Pad präsentierten, bei denen meine Fotos direkt abstinken konnten! Wir tauschten Kontaktdaten.

Zurück in der Schweiz, auf dem Flughafen Basel wurden wir im Flugzeug begrüsst mit den Worten: „Welcome to Marakesh!“ Die Passagiere guckten sich zuerst ratlos an und brachen dann in Gelächter aus. Bei der Passkontrolle wurde ich vom gleichen Zöllner angemeckert, wie schon beim Hinflug, der arme Kerl hatte ohne Sonne die Woche in seinem Schalterchen verbracht und seinen Frust unbedingt an jemanden abladen müssen! Habe mich nur ganz kurz aufgeregt. Glücklich und vom Duty free Schnaps und der Höhe leicht beduselt kamen wir schließlich in Rheinfelden an. Ob ich wieder nach Marokko gehe? Inshalla….!

Ein Kommentar to “„Schäm taman oder Hasab  Hafak?“ Marokko, live!”


  1. Lieber Janne
    Aaron und ich haben soeben Deinen Bericht gelesen. Er ist sehr witzig und ich kann mir eure Reise durch dein Schreiben lebhaft vorstellen. Ganz liebe Grüsse und bis bald, Sabine


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