{"id":133,"date":"2009-09-27T22:29:50","date_gmt":"2009-09-27T20:29:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.szeszak.ch\/wordpress\/?p=133"},"modified":"2009-09-27T22:29:50","modified_gmt":"2009-09-27T20:29:50","slug":"so-ein-theater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.szeszak.ch\/?p=133","title":{"rendered":"So ein Theater!"},"content":{"rendered":"<p>Lampenfieber im Endstadium, 14 Jugendliche zittern hinter der B\u00fchne, warten auf den 1.Auftritt von dreien. Gespielt wird das Jugendst\u00fcck \u201eDer Platz\u201c. Das Ensemble besteht aus 14 Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren, aus drei verschiedenen Schulen, n\u00e4mlich der Real-, der Sekundar- und der Bezirksschule.<br \/>\nDer Zuschauerraum ist gestossen voll, man wartet gespannt&#8230;<br \/>\nAber wie \u00fcblich ist zumindest f\u00fcr mich, als Regisseurin der Hauptakt gelaufen, und so ist das Pr\u00e4sentieren getaner Arbeit eher eine Art von Kr\u00f6nchen&#8230;<br \/>\nDrehen wir mal die Uhr zur\u00fcck zum Anfang, zur Ur-Idee in den Sommer 2008.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Endlich Sommerferien! Meine Tochter und ihre Freunde geniessen die Ferien und haben gl\u00fccklicherweise nebst dem Computer und dem Fernsehen tats\u00e4chlich das Bed\u00fcrfnis, sich draussen zu treffen und sich zu bewegen.<\/p>\n<p>Der Platz vor unserem Haus hat genau die Ausstrahlung, die die Jungen anzieht, man lacht, kichert, spielt Ball und h\u00f6rt Musik.<br \/>\nWen erstaunt\u2019s, dass p\u00fcnktlich nach 22 Uhr die Nachbarn reagieren, sich \u00fcber L\u00e4rm und Littering enervieren und sich bei mir beschweren, so dass ich mich gen\u00f6tigt sehe, die Leute zu mir reinzuholen, wo das Ganze dann erleichtert und zufrieden weitergeht.<br \/>\nIm Ort ist es auch \u00fcblich, junge Leute die unter 16 Jahren und nach 23 Uhr unterwegs sind, nachhause zu schicken, selbst wenn Ferien sind.<br \/>\nNach und nach ver\u00e4nderte sich damals unsere Wohnung zu einem Jugendzentrum und ich musste mir zuliebe \u00d6ffnungszeiten festlegen.<\/p>\n<p>Hier im Ort gibt es genau ein offizielles Jugendzentrum, welches aufgrund hoher Immigrantenzahlen vor allem Jugendliche aus dem Balkan und Portugal anzieht, jedoch von einheimischen Jugendlichen gemieden wird.<br \/>\nF\u00fcr so eine grosse Gemeinde ist das sowieso ein Affront, aber f\u00fcr eine Gemeinde mit einem  derart grossen Anteil an fremdl\u00e4ndischen Jugendlichen eine Katastrophe. Die Durchmischung mit einheimischen Jugendlichen und somit auch die Integration findet meiner Meinung nach erst statt, wenn mindestens 3 H\u00e4user zusammenarbeiten.<br \/>\nEine finanzielle Frage, wie gehabt.<br \/>\nDas Thema f\u00fcr unser Theater-Ensemble, n\u00e4mlich mehr Pl\u00e4tze, wo sich Jugendliche ohne Konsumzwang und zuviel Kontrolle treffen k\u00f6nnen, zu schaffen, war gesetzt.<br \/>\nWir schufen auf der B\u00fchne einen k\u00fcnstlichen \u201ePlatz\u201c und fingen an<br \/>\nSituationen zu sammeln, die auf  dem Platz stattfinden k\u00f6nnten. Durch Improvisationen entstanden Szenen im Bereich der Familie, Schule und der Freizeit, die durchaus in der Realit\u00e4t wieder zu finden sind.<br \/>\nEin Skript zu schreiben ist eine unglaublich detaillierte, zeitaufwendige Arbeit und erfordert einiges an Vorstellungsverm\u00f6gen, aber die Begeisterung mit der die jungen Leute dann dem fertigen Produkt Leben einhauchten, war r\u00fchrend und der Aufwand, den sie aufbrachten f\u00fcr Proben innerhalb ihrer Freizeit, an Sonn- und Feiertagen, an denen andere jungen Leute eher am Konsumieren sind, war wirklich riesengross. Zus\u00e4tzlich waren die Auff\u00fchrungen vor den Sommerferien, genau die Zeit in der man sich pl\u00f6tzlich an allen Schulen erinnert, dass ja da noch einige Proben f\u00e4llig w\u00e4ren.<br \/>\nUmsomehr erstaunte mich, dass im Publikum praktisch keiner der Lehrpersonen gesessen ist, die immer so leidenschaftlich \u00fcber die Unwilligkeit, Frechheit und Aggressionen der Sch\u00fcler klagen, nach Ritalin schreien und Eltern anprangern.<br \/>\nIrgendwie beschlich mich das Gef\u00fchl, dass es sehr popul\u00e4r unter der Lehrerschaft ist, zu jammern und erstaunlich aggressiv nach griffigen Bestrafungsmassnahmen zu fordern.<\/p>\n<p>Sind nicht gerade wir Lehrpersonen aufgefordert hinter die Kulissen des Schulalltags der Sch\u00fcler und Sch\u00fclerin zu schauen um die Zusammenh\u00e4nge zu erkennen, die vielleicht helfen k\u00f6nnten neue p\u00e4dagogische Wege zu begehen?<\/p>\n<p>Nur ausschliesslich auf die Schwierigkeiten, die junge Leute in einer erwachsenen Welt machen zu reagieren und die Klassenzimmert\u00fcre nach Feierabend auch im Kopf zu zu machen ist ignorant, weil \u00e4ngstlich und f\u00fchrt zu genau diesen Sorgen die wir zur Zeit haben.<br \/>\nWir wollen in neue Schl\u00e4uche alten Wein f\u00fcllen. Es geht aber um ein komplettes Umdenken und dies kann nur geschehen, wenn Dinge wie Supervision, Bewusstseinserweiterung, und Nutzen der Herzintelligenz in den n\u00e4chsten Jahren Hauptthema wird.<br \/>\nWenn wir in unseren Lehrkreisen schimpfen, Mobbing betreiben, Burn-outen, und uns nicht gegen unsinnige Gesetzesauflagen wehren, k\u00f6nnen wir nicht von unseren Kindern erwarten, in uns ein gutes Vorbild zu haben. Nichts anderes n\u00e4mlich machen die Kids. Sie imitieren eine Erwachsenenwelt, die nun alles andere als vorbildlich bezeichnet werden kann.<br \/>\nWir stehen unter Stress, produzieren zuviel Abfall, beuten andere V\u00f6lker aus, rempeln uns vollkommen r\u00fccksichtslos unseren Weg nach oben. Wir sind s\u00fcchtig, k\u00f6nnen nicht f\u00fcr Gerechtigkeit sorgen und unterdr\u00fccken uns gegenseitig.<br \/>\nMuss dies aus der Sicht des Kindes nicht als verlogen angesehen werden? Kinder und Jugendliche wollen aber Herz, Gradlinigkeit und Authenzit\u00e4t und das bringen sie mit steigender Vehemenz zum Ausdruck.<br \/>\nWenn wir doch immer voller \u00dcberzeugung sagen, wir wollen die jungen Leute da abholen wo sie sind, sollten wir auch wirklich \u00fcberlegen, wo wir sie stattdessen hinbringen wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lampenfieber im Endstadium, 14 Jugendliche zittern hinter der B\u00fchne, warten auf den 1.Auftritt von dreien. Gespielt wird das Jugendst\u00fcck \u201eDer Platz\u201c. Das Ensemble besteht aus 14 Jugendlichen zwischen 13 und 17 Jahren, aus drei verschiedenen Schulen, n\u00e4mlich der Real-, der Sekundar- und der Bezirksschule. 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