{"id":166,"date":"2010-12-30T01:50:33","date_gmt":"2010-12-29T23:50:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.szeszak.ch\/wordpress\/?p=166"},"modified":"2010-12-30T01:50:33","modified_gmt":"2010-12-29T23:50:33","slug":"dazwischen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.szeszak.ch\/?p=166","title":{"rendered":"Dazwischen"},"content":{"rendered":"<p>Dazwischen oder Zwischen ist ein seltsames Wort!<br \/>\nEs dient der Beschreibung, das Da mit dem Dort, ein Objekt mit dem Anderen, oder eine Person mit der anderen, zu verbinden.<br \/>\nInzwischen. W\u00e4hrend ich dies oder das tue, passiert, etwas anderes, gewissermassen zwischen meinem eigenen Tun, meiner Realit\u00e4t (res, lat.=Sache, Ding).<br \/>\nIm Sprachgebrauch kennen wir dieses Wort zum Beispiel von \u201eZwischen St\u00fchlen und B\u00e4nken sein\u201c, negativ gemeint im Sinne von weder da noch dort dazugeh\u00f6rig zu sein. Oder \u201eZwischen Gut und B\u00f6se\u201c, im Sinne von hin und hergerissen sein, zwischen Moral und Gef\u00fchl, (wobei ich hier einwerfen m\u00f6chte, dass Nietsche das B\u00f6se zu einem Konstrukt christlicher Sklavenmoral erkl\u00e4rt hat, das die urspr\u00fcngliche Unterscheidung von gut und schlecht in gut und b\u00f6se umgekehrt habe.)<br \/>\nIn der \u201ezwischenmenschlichen\u201c Beziehung wird sogar verdoppelt, weil das Wort \u201eBeziehung\u201c auch das, was \u201eZwischen-den-Dingen-ist\u201c andeutet.<br \/>\nWenn ich zwischen Peter und Maria sitze, erzeuge ich ein weiteres Dazwischen, eines nach lins und eines nach rechts.<br \/>\nZwischen ist aber als solches nur eine Ahnung vom grossen Ganzen, es ist nicht erfassbar, wohl messbar, aber nur abstrakt, somit h\u00f6chstens erf\u00fchlbar und in Bildern beschreibbar.<br \/>\nDie milde aber h\u00e4ufige Konzentration im Alltag auf dieses Wort k\u00f6nnte uns eine F\u00fclle von lebensrettenden Erkenntnissen vermitteln in Hinblick auf den immer gr\u00f6sseren Materialismus und die daraus folgenden Abfallberge und die Verschmutzung und Zerst\u00f6rung unseres eigenen Lebensraumes durch die zu starke Bezogenheit auf ausschliesslich den separatisierten Objekten, Menschen, Ereignissen.<br \/>\nAlso: haltet euch doch mal auf in Zwischenr\u00e4umen und auf Schwellen, probiert mal aus, zwischen St\u00fchle und B\u00e4nke zu sitzen, legt euen Augenmerk in euren Beziehungen auf das, was zwischen euch passiert. Nur f\u00fchlen, erahnen. Schaut, was inzwischen passiert, oder passiert ist in eurem Umfeld. Zwischen ist n\u00e4mlich hochinteressant!<br \/>\nIn dem Sinne w\u00fcnsche ich allen, die da vorbeikommen ein neues, spannendes, interessantes und verbindendes Jahr!<br \/>\nHier als Geschenklein noch ein Gedichtlein:<\/p>\n<p>Der Lattenzaun<\/p>\n<p>Es war einmal ein Lattenzaun,<br \/>\nmit Zwischenraum, hindurchzuschaun.<br \/>\nEin Architekt, der dieses sah,<br \/>\nstand eines Abends pl\u00f6tzlich da &#8211;<br \/>\nund nahm den Zwischenraum heraus<br \/>\nund baute draus ein gro\u00dfes Haus.<br \/>\nDer Zaun indessen stand ganz dumm,<br \/>\nmit Latten ohne was herum,<br \/>\nEin Anblick gr\u00e4\u00dflich und gemein.<br \/>\nDrum zog ihn der Senat auch ein.<br \/>\nDer Architekt jedoch entfloh<br \/>\nnach Afri- od- Ameriko.<\/p>\n<p>(Christian Morgenstern)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dazwischen oder Zwischen ist ein seltsames Wort! Es dient der Beschreibung, das Da mit dem Dort, ein Objekt mit dem Anderen, oder eine Person mit der anderen, zu verbinden. Inzwischen. W\u00e4hrend ich dies oder das tue, passiert, etwas anderes, gewissermassen zwischen meinem eigenen Tun, meiner Realit\u00e4t (res, lat.=Sache, Ding). 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