{"id":177,"date":"2011-05-17T11:06:13","date_gmt":"2011-05-17T09:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.szeszak.ch\/wordpress\/?p=177"},"modified":"2011-05-17T11:10:13","modified_gmt":"2011-05-17T09:10:13","slug":"busfahrt-in-marokko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.szeszak.ch\/?p=177","title":{"rendered":"Busfahrt in Marokko"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.szeszak.ch\/wp-content\/uploads\/bullen.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-179\" title=\"bullen\" src=\"https:\/\/www.szeszak.ch\/wp-content\/uploads\/bullen-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.szeszak.ch\/wp-content\/uploads\/bullen-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.szeszak.ch\/wp-content\/uploads\/bullen-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.szeszak.ch\/wp-content\/uploads\/bullen.jpg 1088w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein paar Kilometer vor Essaouira, Marokko, wir stehen. Oder besser, wir sitzen in einem stehenden Bus, der nun seit 20 Minuten mit laufendem Motor auf den Fahrer wartet. Bis vorhin hatte dieser den Bus stundenlang sicher durch schwieriges Gel\u00e4nde mit riesigen, wasssergef\u00fcllten L\u00f6chern gefahren, es hatte hineingeregnet und nach verschiedensten Dingen gerochen.<\/p>\n<p>Bei jedem 10-Minuten-Halt, wie \u00fcblich mit laufenden Motoren, str\u00f6mten BettlerInnen herein, die mehr oder weniger fantasievoll, aber alle sehr laut nach Dirham heischten. Da wurde rezidiert, gesungen, gepriesen, verwunschen und rhythmisch geklopft, K\u00fcchlein wurden verkauft, dessen Ingredienzen hier besser nicht n\u00e4her beschrieben werden, an jedem Ort, nebelten Grill-Fleisch-Ger\u00fcche herein.<\/p>\n<p>Aber nun steht der Bus am Strassenrand, rundherum nichts ausser Ginsterb\u00fcschen und Olivenb\u00e4umen kurz vor unserem Ziel, der Fahrer draussen am Diskutieren mitten in der Pampa. Der Grund unseres Stopps zeigt sich in Form eines enorm wichtig aussehenden Zeltchens (4 Stangen in die Erde gesteckt und ein l\u00f6chriger Stoff dar\u00fcber. Darunter steht ein Tisch und\u00a0 ein Stuhl, auf dem ein ebenso wichtig aussehender Mann sitzt. Ein Gendarm, kein Polizist, wie man mich aufkl\u00e4rt. Rundum in herum weibeln f\u00fcnf weitere Uniformierte. Es wird mit viel Papier handiert, in B\u00fccher geguckt, Passagen daraus den Kollegen gezeigt, und Zettel ausgef\u00fcllt. Der Mann auf dem Stuhl scheint auf grund verschiedenster Dekorationen an seiner Jacke ziemlich klar der Vorgesetze aller anderen\u00a0 zu sein, auch darf im Gegensatz zum Rest sitzen und Wasser trinken.<\/p>\n<p>Der Unterschied zwischen Polizisten und Gendarmen soll erheblich sein, Gendarmen sind beim Verteidigungsministerium angestellt, auch wenn sie in Marokko gar kein Verteidigungsministerium mehr haben,\u00a0 Polisten bloss bei der Stadt, f\u00fcr mich pers\u00f6nlich bleibt der Unterschied aufjedenfall schleierhaft.<\/p>\n<p>Nach weiteren 10 Minuten kommt der Fahrer missmutig wieder, alle im Bus wollen wissen, was los war, ich muss warten bis die \u00dcbersetzung folgt. Der Grund war, dass der Bus 5 Minuten Versp\u00e4tung hatte, als er bei besagtem Zelt mit Tisch hochoffiziell vorbeifuhr.<\/p>\n<p>Das kostete den Fahrer Busse und etliche zu unterschreibende Formulare, ansonsten liess man ihn und seinen Bus samt der Passagiere gen\u00fcsslich warten, w\u00e4hrend ebenso gen\u00fcsslich andere Strassenben\u00fctzer angehalten und gleichem Prozedere\u00a0 mit anderen Gr\u00fcnden, versteht sich, ausgesetzt wurden.<\/p>\n<p>Schliesslich, nach dem der Busfahrer den Gendarmen verk\u00fcndet hatte, dass er Menschen und keine Tomaten transportiere, sind wir dann mit 35 Minuten (!) Versp\u00e4tung weitergefahren.<\/p>\n<p>Wirklich absolut \u00fcberraschend und bewundernswert ist die gelassene Ruhe und Geduld, die\u00a0 marokkanische Menschen bei solcherlei Nervereien aufbringen.\u00a0 Man wartet, l\u00e4chelt und h\u00e4lt aus. Es wird ein wenig diskutiert und spekuliert, niemand flippt aus, oder hat dringend einen Termin. Selbst die Kleinkinder und S\u00e4uglinge und davon gibts einige im Bus, bleiben merkw\u00fcrdig zufrieden und friedlich.<\/p>\n<p>Vielleicht h\u00e4ngt das damit zusammen, dass die meisten Kinder noch hinten an der Mutter h\u00e4ngen. Nicht in ultratopschicken, eigens f\u00fcrs Baby gekaufte, handgewebte Tragetuch aus dem Baby-Wunderland, f\u00fcr welches man dann aufjedenfall einen Kurs machen muss, \u201ewie trage ich mein Baby ergotherapeutisch richtig?\u201c, sondern angebunden mit dem was grade rumlag, als man von zu Hause wegging. Um die Kids wird alles in allem weniger Theater gemacht, und so machen auch die Kleinen weniger Theater. Easy.<\/p>\n<p>Was die Gendarmen angeht, so verdienen die meisten nicht genug, um eine ganze Familie zu ern\u00e4hren und so schaut man halt, dass man irgendwie zu noch mehr Kohle kommt, so wie in der vorangegangenen Episode. Logik spielt da keine Rolle, das wissen alle.\u00a0 Also durchhalten und sich irgendwie unterhalten bis es weitergeht.<\/p>\n<p>Eine Moral der Geschichte f\u00e4llig? Bei uns m\u00fcssen sogar die Tomaten weniger lange warten. Sollte doch reichen, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein paar Kilometer vor Essaouira, Marokko, wir stehen. Oder besser, wir sitzen in einem stehenden Bus, der nun seit 20 Minuten mit laufendem Motor auf den Fahrer wartet. Bis vorhin hatte dieser den Bus stundenlang sicher durch schwieriges Gel\u00e4nde mit riesigen, wasssergef\u00fcllten L\u00f6chern gefahren, es hatte hineingeregnet und nach verschiedensten Dingen gerochen. 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