{"id":98,"date":"2007-09-12T00:47:39","date_gmt":"2007-09-11T22:47:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.szeszak.ch\/wordpress\/2007\/09\/12\/98\/"},"modified":"2007-09-21T18:57:17","modified_gmt":"2007-09-21T16:57:17","slug":"98","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.szeszak.ch\/?p=98","title":{"rendered":"Gleichbrei"},"content":{"rendered":"<p>Jo, da hockt man nun und \u00fcberlegt sich ernsthaft, was einen Blog von einem Tagebuch unterscheidet.<br \/>\nVielleicht die Tatsache, dass man, in meinem Fall ja eher freundlich aufgedr\u00e4ngt, den Druck entwickelt, irgendwelche bedeutsamen Gedanken an die Menschen bringen zu m\u00fcssen, oder \u00e4hnliches.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nViel mehr gel\u00fcstet mich aber, mir Gedanken \u00fcber das scheinbar Bedeutungslose, Langweilige zu machen. In einer v\u00f6llig reiz\u00fcberfluteten Gesellschaft doch fast schon spannend!<br \/>\nNormalit\u00e4t ist ein stark abh\u00e4ngigmachendes Program. Es kann nur durch scheinbar unwichtiges, experimentielles, lustvolles Spielen in verschiedenen Realit\u00e4ten unterbrochen und ver\u00e4ndert werden hin zum nat\u00fcrlichen Gleichgewicht und Einklang mit der Erde.<br \/>\nIm Grunde befindet sich der Mensch in seiner geistigen Evolution irgendwo im Stadium des knapp erwachsen gewordenen Individuums, noch sehr egoistisch und uneinsichtig, auch wenn irgendwo im Bewusstsein ein d\u00fcsterer Horizont d\u00e4mmert&#8230;<br \/>\n\u00c4usserst aktuell ist somit ein indianisches Sprichwort, welches sagt, dass der Mensch tun kann, was er will, solange er die n\u00e4chsten sieben Generationen ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Ich hatte lange Zeit eine fantastische Aussage von Peter Bichsel an der Eingangst\u00fcre des Kindergartens h\u00e4ngen, den genauen Wortlaut weiss ich nicht mehr, aber sie handelte von der Langeweile. Erst wenn wir gen\u00fcgend Zeit und Muse haben, um echte Langeweile zu versp\u00fcren und auch auszuhalten, kann ureigene Kreativit\u00e4t entstehen. Also schaut, dass ihr genug reinzieht und euch ja nicht langweilig wird, sonst w\u00fcrdet ihr ja eure Lust, eure Freude am eigenen Ausdruck entdecken und w\u00fcrdet aufh\u00f6ren, derart viel zu konsumieren! Das kann ja nun wirklich nicht im Interesse der Wirtschaft sein, dass die Leute anfangen eigene Ideen zu haben und sie erst noch freigiebig und mit wenig finanziellem Aufwand umsetzen!<\/p>\n<p>Im direkten Zusammenhang m\u00f6chte ich unbedingt das letzte Wochenende hier im Ort erw\u00e4hnen. Am Freitagabend fand die allj\u00e4hrliche \u201eUusestuehlete\u201c statt, die ihrem Namen im deutschen Sinne alle Ehre machte!<br \/>\nEine lange, monoton gleich weiss aussehende Tafel durchzog die h\u00fcbsche Marktgasse wie ein h\u00e4sslicher Wurm, die darauf verteilten \u00c4pfel k\u00e4mpften kl\u00e4glich gegen das Gesamtbild an.<br \/>\nFort die gem\u00fctlichen improvisierten Bars und Tische vor L\u00e4den und Privath\u00e4usern, die \u201eHock doch mal zu uns r\u00fcber\u201c-Rufe! Fr\u00fcher mischten sich in der Mitte der Marktgasse stehend Leute, \u00fcberall waren heimelige Kerzen aufgestellt, es war eine Freude f\u00fcrs Auge und Gem\u00fct! Wirkliche Begegnungen fanden statt, jeder hatte seine ureigene Art seine St\u00fchle heraus zustellen. Jetzt war jegliche Individualit\u00e4t durch die gleichmachende Kaufatmosph\u00e4ren-Combo vertilgt. Ganz nebenbei, die Tische mussten gemietet werden.<br \/>\nIch m\u00f6chte mich nicht falsch verstanden wissen, ist ja alles immer ganz nett, g\u00e4hn, aber diese gewinntr\u00e4chtige \u201eUniformierung\u201c aller gesellschaftlichen Anl\u00e4sse ist im h\u00f6chsten Masse kreativit\u00e4tsermordend!<br \/>\nMode-Mai, statt 1. Mai, Kauf-stadt statt St\u00e4dtli, Kauf-Nacht (vielleicht sollte man,wie von Raphael vorgeschlagen, eine Sauf-Nacht einf\u00fchren) und jetzt eben die Rausstuhlerei.<\/p>\n<p>Bleibt gespannt zu hoffen, dass die zuk\u00fcnftige Kultur-Stadt etwas farbiger und vielseitiger und nicht ganz so normal werden darf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jo, da hockt man nun und \u00fcberlegt sich ernsthaft, was einen Blog von einem Tagebuch unterscheidet. 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